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Was macht das Leben REICH?

Die Akademie lädt ein zum Philosophieren im Theater! Vom 1. November bis zum 11. November findet in München das Festival “Politik im Freien Theater” statt, das mit verschiedenen Veranstaltungen dem Thema REICH auf den Grund geht. Zum Abschluss des Festivals lädt die Akademie Kinder philosophieren zu einem philosophischen Gespräch in die Münchner Kammerspiele. Bis zu 60 Personen haben dort Platz und alle können, wenn sie möchten, aktiv am moderierten Gespräch zur Frage “Was macht das Leben reich?” teilnehmen. Ein Dialog der Generationen, Kulturen und Lebenssituationen.


Hier nochmal alle Infos im Überblick:

Philosophisches Gespräch für alle Generationen
11. November, 15 bis 17 Uhr
Münchner Kammerspiele, Kammer 3

Anmeldung bitte unter: anmeldung@politikimfreientheater.de

 

Übrigens: Das REICH Festival bietet auch ein Programm für Schülerinnen und Schüler und Fortbildungen! Die Akademie ist hier vertreten mit der Kennenlern-Fortbildung “Philosophieren mit Kindern”. Wer unseren Ansatz kennenlernen und ein philosophisches Gespräch erleben möchte, ist herzlich eingeladen, uns am 7. November von 16 bis 19 Uhr in der Baierbrunnerstraße 27 zu besuchen. Weitere Infos und Anmeldung unter: prisca.wunderlich@kinder-philosophieren.de

 

Wer noch mehr zu den Veranstaltungen der Akademie und dem Festival wissen möchte, der kann sich hier einen guten Überblick verschaffen: www.politikimfreientheater.de

 

Bildrechte Beitragsbild: Amelie Lichtenberg

Nur heiße Luft? – Wie frage ich richtig nach

Zweifeln, argumentieren, mit Gedanken spielen: Die Geschichte der Philosophie ist voll von Methoden des Denkens: Wie begründe ich stichhaltig, wie wechsele ich die Perspektive oder denke um die Ecke? Allerdings hat jede Schule, nahezu jeder Philosoph seinen eigenen Weg, um zu Erkenntnis zu gelangen. Es ist daher oft schwierig, solche beschrittenen Wege für ein Gespräch fruchtbar zu machen, zumal ein Gespräch ja seine ganz eigene Dynamik bereit hält. Ein paar solcher Methoden und Klassiker der Philosophie zu bestimmten Themen, die schöne Denkanregungen für philosophische Gespräche darstellen, wollen wir euch hier jedoch vorstellen. Ausführlich werden diese und andere Methoden im Aufbaumodul “Vertiefendes Weiterfragen” behandelt:

  1. Die Perspektive wechseln
    Es ist im philosophischen Gespräch von Vorteil, möglichst viele verschiedene Perspektiven einzubeziehen. Wenn sich das jedoch nicht aus dem Gespräch selbst ergibt, können Fragen hilfreich sein, die auf andere Vorstellungen, Kulturen, Zeiten abzielen und so zumindest einen gedachten Perspektivwechsel erlauben, z.B.: Gilt das für jeden Menschen? Ist das überall auf der Welt so? War das immer so, zu jeder Zeit?
    Auch andere oder gänzlich unbekannte Perspektiven können eingenommen werden: Wie würde das ein Kind, ein Höhlenmensch, ein Fisch, eine Pflanze, ein Alien etc. sehen/wahrnehmen?
    Bei moralischen Fragen, bei Streitfragen kann man die Teilnehmer bspw. aber auch auffordern, Argumente für die Gegenseite zu finden.
  2. Gedankenexperimente
    Sehr beliebt, um den Blick für andere Möglichkeiten zu öffnen, sind in der Philosophie (und nicht nur dort) Gedankenexperimente. Ihr Grundmuster kann auf die Formel “Was wäre, wenn…?” gebracht werden. Eine einfache und gerade für Gespräche wirkungsvolle Form des Gedankenexperiments ist die “Fiktive Nichtung”, also bspw. “Was wäre, wenn es keine Freundschaft gäbe?”, “Was wäre, wenn niemand mehr die Wahrheit sagen würde?”
    Es gibt aber natürlich auch komplexere Gedankenexperimente. Eines der wohl bekanntesten ist Robert Nozicks „Glücksmaschine“, das der Frage nachgeht, ob das ewiges Glücklichsein der höchste erstrebenswerte Zustand ist:
    Stellen wir uns vor, geniale Neuropsychologen hätten eine „Glücksmaschine“ konstruiert, die ihrem Benutzer jede Erfahrung ermöglicht, die er zu machen wünscht. Wenn wir wollen, könnten wir uns für den Rest unseres Lebens an diese Maschine anschließen lassen. Wir würden nicht wissen, dass wir an eine Maschine angeschlossen sind, sondern alles wäre so, als geschehe das, was wir von nun an erleben, wirklich. Wir würden subjektiv keinen Unterschied merken, wären aber davor geschützt, Dinge zu erleben, die wir lieber nicht erleben möchten. Unsere Liebesbeziehungen wären allesamt glücklich, wir würden alles erreichen, was wir uns vornehmen, und hätten alles, was wir uns nur wünschen. Wir könnten also, was unsere subjektive Wahrnehmung angeht, jedes Leben führen, das wir wollten. Würden wir dann auch nur eine Sekunde zögern, diese einmalige Gelegenheit zu ergreifen, uns unser Glück auf Lebenszeit zu sichern? Würden wir sie vielleicht sogar ablehnen?
  3. Argumentieren
    Beim Argumentieren geht es oft um das Herausfinden von Schwächen eines Argumentes, um sich nicht in Fehlschlüsse zu verstricken, aus denen heraus dann die weiteren Schlussfolgerungen gezogen werden. Zunächst einmal muss jedoch geklärt werden, was überhaupt ein Argument ist. Im Alltag geht es häufig um bloße Meinungen, Sichtweisen, die man vertritt bzw. verneint, ohne dafür einen wirklichen Grund zu nennen. Im philosophischen Gespräch werden die Meinungen schon eher begründet oder zumindest achtet die Gesprächsleitung darauf und fragt: „Warum denkst du, dass das so ist?“Ein Klassiker aus der Philosophie zu diesem Thema:
    Sokrates ist sterblich 
    also: Sokrates ist ein Mensch.Auch wenn es so aussieht – um ein Argument im klassischen Sinn handelt es sich dabei noch nicht. Warum? Wir können nicht von einem Satz auf den anderen schließen, ebenso wenig wie man von einer Zahl (2) auf eine andere (5) schließen kann. Man braucht also mindestens zwei Sätze (in der Logik Prämissen), von denen man auf etwas drittes schließt (oder um bei den Zahlen zu bleiben: 2 + 3 = 5). Beim Beispiel mit Sokrates würde das dann so aussehen:Sokrates ist ein Mensch (Prämisse 1)
    Alle Menschen sind sterblich (Prämisse 2)
    also: Sokrates sterblich (Konklusion)

    Nun mag das im ersten Moment etwas spitzfindig klingen, denn natürlich wissen wir, dass alle Menschen sterblich sind, das muss man eigentlich nicht erst deutlich machen. In vielen anderen Argumenten macht aber gerade diese Suche nach der „stillen Voraussetzung“ Sinn und hilft, Streitfragen zu klären oder einer Antwort näher zu kommen. Nehmen wir also als Beispiel die Streitfrage: Ich bin der Meinung, dass in staatlichen Institutionen keine Kreuze hängen dürfen und begründe dies so: Das Aufhängen eines Kreuzes verwischt die Grenze zwischen Staat und Religion. Was setze ich jedoch voraus, um die Schlussfolgerung: „Es sollten keine Kreuze in staatlichen Institutionen hängen“ ziehen zu können? Was ist also meine zweite Prämisse? Was denken Sie?
    Im philosophischen Gespräch kann man solche stillen Annahmen erfragen, indem man bspw. bei einer Begründung nochmal nachhakt: “Und warum denkst du, dass das so ist?“ oder auch „Auf welchen Annahmen beruht deine Begründung?“.

Übrigens: Wer Lust an der Provokation als Methode hat, der hat sicherlich auch Freude an dem immer wieder polarisierenden Philosophen Slavoj Žižek.

Diese und weitere Methoden und ihre Anwendung im Gespräch werden am 26. und 27. Oktober im Aufbaumodul “Vertiefendes Weiterfragen” behandelt. Alle Infos dazu findet ihr hier.

Die Zeit. Was machen wir mit ihr?

Haben wir heute davon zu wenig? Fragen die uns alle betreffen, waren Thema des letzten philosophischen Cafés Gedankenschmiede im HEi München.

Die Gesprächsrunde wollte sich diesem abstrakten Konzept erst einmal begrifflich nähern. So wurde der Bogen in die Antike gespannt, in der auch die alten Philosophen bereits die Muße kannten. Sie verstanden darunter eine Zeit, die bewusst verbracht und als Inspiration für neue Gedanken und Ideen dienen sollte. Schnell wurde klar, dass es zwei Arten der Muße gibt. Die passive und die aktive Muße. Letztere war hierbei für uns die interessantere, da die Art und Weise wie der Mensch seine aktive Muße verbringt, ihn definiert und einen wesentlichen Teil seiner Persönlichkeit ausmacht. Gleichzeitig ist die Zeit etwas Universelles, etwas Messbares und etwas, das dem Menschen Struktur in seinem Alltag gibt. Also ist unser Konzept von Zeit doch etwas Unverzichtbares? Gleichzeitig, so ein Einwurf, gibt es auch Kulturen in denen Zeit als etwas Geplantes und Strukturgebendes weniger relevant ist. Zeit wird also nicht nur individuell sondern auch kulturell unterschiedlich bewertet. Ebenso kann Zeit in jeder Lebensphase eine neue Bedeutung gewinnen.

Wir freuen uns schon auf das nächst Mal in der Gedankenschmiede am 13.02 im HEi München.

180 Besucher beim Wertepodium in Tutzing

Was macht eine “Familie” aus? Es kommt auf die Perspektive an, aus der man den Begriff betrachtet: man kann sie rechtlich definieren oder kulturell, persönlich oder als gesellschaftliches Konstrukt versuchen zu fassen – die Frage nach dem Wesen oder dem, was Familie im Kern ausmacht, bleibt offen und blieb es auch an diesem spannenden Abend in der Akademie für politische Bildung in Tutzing. Insofern eignete sich die Frage durchaus als eine für ein Philosophisches Podium, ein Format, das wir am vergangenen Dienstag (gemeinsam mit der Stiftung Wertebündnis und dem Bayerischen Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration) so zum ersten Mal in der Öffentlichkeit präsentiert haben.

Werte.Dialog.Integration. – ein Philosophisches Podium über die Frage nach dem Wert der Familie in einer multikulturellen Gesellschaft – unter diesem Titel haben wir am 9. Januar nach Tutzing am Starnberger See eingeladen. Wir wollten unser Wertebildungs-Projekt, vor allem aber die Methodik der Philosophischen Gesprächsführung als Weg zur Verständigung über gemeinsame Werte der Öffentlichkeit vorstellen. Als Gäste im Podium durften wir neben Dr. Markus Gruber (Ministerialdirektor im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration) Alois Glück (Landtagspräsident a.D. und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Wertebündnis Bayern) und Christian Springer (Kabarettist und Gründer des Orienthelfer e.V.) begrüßen, außerdem Hannah Imhoff und Uri Sharell (als Vertreter der Münchner Schülerschaft), Anke Mai vom BR (Programmbereichsleiterin Kultur), Matthias Fack (Präsident des Bayerischen Jugendrings) und aus der Unternehmensgruppe Michael Mötter (stellv. Geschäftsführer des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft (bbw) e. V.). Moderiert haben den ersten Teil des Abends Roswitha Wiesheu und Christophe Rude als so vertrautes wie erfahrenes Akademie-Gespann.

Der Abend fokussierte das Thema Familie: persönliche Erfahrungen, mit dem Begriff verbundene Vorstellungen, Bilder, Werte wurden besprochen… Im zweiten Teil vertiefte Sinan von Stietencron in der Rolle des Moderators das Gespräch und führte es von der Podiumssituation schließlich in die uns vertraute philosophische Runde. Mittels “Fishbowl”-Prinzip konnte sich das Publikum beteiligen, sich einbringen und auch wieder ausklinken, in der Regel waren ein bis zwei Plätze frei, und so blieb es bis zum Schluss ein bewegter (und teils auch bewegender) Abend.

Dass die Atmosphäre so entspannt und trotz großem Andrang “knisternd” war, wie uns hinterher versichert wurde, lag auch am Rahmen: die bayrisch-arabischen Klänge des “Musik schafft Heimat”-Ensembles (Bayerische Philharmonie), ein feines Buffet, guter Wein und nicht zuletzt die Umgebung haben dazu beigetragen, dass das erste “Wertepodium” der Akademie zu einer schönen Auftaktveranstaltung fürs neue Jahr geworden ist.

Danke an Isabelle Dinter (graphic recording), Barbara Lex (Fotos) und Maria Rilz (Film) für die dokumentarische Begleitung des Abends.

 

Wertepodium mit Alois Glück und Christian Springer

Gemeinsam mit der Stiftung Wertebündnis und dem Bayerischen Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration dürfen wir zu einen besonderen Termin einladen:

Werte.Dialog.Integration. – ein Philosophisches Podium über die Frage nach dem Wert der Familie in einer multikulturellen Gesellschaft am 9. Januar 2018, ab 18 Uhr in der Akademie für Politische Bildung Tutzing, u.a. mit Alois Glück (Landtagspräsident a.D.), Michael Mötter (bbw e.V.) und Christian Springer (Orienthelfer e.V.).

Der Abend fokussiert das Thema Familie sowie damit verbundene Werte. Darüber hinaus fragen wir: Welche Werte verbinden die Menschen in unserem Land? Welche Bedeutung haben in unserer Gesellschaft Werte wie „Familie“ und „Gemeinschaft“? Wie werden sie gelebt?

Die verschiedenen Vorstellungen von Zusammenleben in einer demokratischen Gemeinschaft laden zur Auseinandersetzung im philosophisch ausgerichteten Wertedialog ein. Bei einem Podium mit namhaften Gästen aus verschiedenen gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen sollen unterschiedliche Perspektiven, auch aus dem Publikum, zu Wort kommen.

Sie können sich jetzt noch anmelden bei Julia Blum-Linke.

Was macht ein gelingendes Leben aus?

„Das Leben gelingen zu lassen – Das ist Kunst“

Zitat einer Teilnehmerin

 

Am Mittwoch den 11. Oktober fand im Café Zeitschmiede Forstinning unser zweites philosophisches Café statt. Moderiert von Christophe Rude haben wir uns in gemütlicher Runde mit Lebenskunst und dem gelingendem Leben beschäftigt. Was macht es aus und verstehen wir darunter eigentlich alle dasselbe?

Geprägt von den unterschiedlichen Generationen und Lebenssituationen unserer TeilnehmerInnen waren die Antworten divers und die Gespräche lebendig. Für manche war das Annehmen lernen von äußeren oder unveränderlichen Umständen bereits Lebenskunst. Andere gingen weiter und meinten, dass das Besondere darin liegt auch in schwierigen Situationen Chancen zu sehen. Wieder andere meinten, dass Lebenskunst auch bedeuten kann sich von den Erwartungen der Gesellschaft an die eigene Person frei zu machen.

Die Frage nach dem gelingenden Leben war da schon schwieriger zu beantworten. Kann man erst am Ende sagen, ob ein Leben gelungen war und wer beurteilt das eigentlich? Entscheiden die einzelnen Momente des Lebens darüber oder ist das ganze Leben doch mehr als die Summe seiner Teile? Kann und sollte ein Mensch überhaupt ein solches Urteil über das Leben eines anderen Menschen fällen?

So unterschiedlich die Positionen teilweise waren, so hatte doch jede ihre eigene Berechtigung. Allgemeine Zustimmung fanden die Aussagen, dass jeder für sich selbst entscheiden müsse, ob sein Leben gelingt. Vor allem aber liege die Chance auf ein gelingendes Leben im Ausprobieren und darin, auch einmal Wagnisse einzugehen. Denn egal ob eine Handlung am Ende erfolgreich ist – man gewinnt doch immer mehr, als wenn man gar nichts riskiert hätte.

 

Die nächsten philosophischen Cafés:

  • 13.11.2017, Haus für Eigenarbeit (München-Haidhausen)
  • 7.12.2017, Café Zeitschmiede (Forstinning)

“Philosophische Cafés” in München und Forstinning

Die Tradition der Philosophischen Cafés kommt aus Paris. Der Philosoph Marc Sautet rief sie 1992 ins Leben, um die akademische Philosophie ins alltägliche Leben zu holen. Bis 1998 waren aus seiner Einzelinitiative über 250 Philosophische Cafés geworden in denen sich bis zu 200 Personen regelmäßig trafen, um die großen Fragen des Lebens und der Menschheit zu ergründen.

 

Philosophieren im Forstinninger Café Zeitschmiede
Mit einem philosophischen Gespräch zum Thema “Zeit” mit 21 interessierten Gästen hat Akademieleiter Christophe Rude im Juli 2017 das erste “Philosophische Café” seiner Heimatgemeinde Forstinning ins Leben gerufen. Im örtlichen Café Zeitschmiede, deren Inhaber Marcus und Angela Stimmer das Vorhaben von Beginn an begeistert aufgenommen hatten, soll nun einmal im Vierteljahr ein offenes “Philosophisches Café” zu immer wechselnden Themen stattfinden.

Nächster Termin: Donnerstag, 7. Dezember 2017, 19:30 – Anmeldung unter info@cafe-zeitschmiede.de – Eintritt frei!

 

Philosophisches Café im Münchner Haus für Eigenarbeit

Schon länger haben wir nach einer Gelegenheit gesucht, ein „offenes Philosophieren“ in München anzubieten, wo all diejenigen, die dem Philosophieren schon länger verbunden sind, oder die es einmal erleben und kennen lernen möchten, die Gelegenheit haben, einfach mal (wieder) gemeinsam zu philosophieren.

Wir haben nun eine Kooperation mit dem Haus der Eigenarbeit in München ins Leben gerufen und veranstalten dort künftig einmal im Monat ein „Philosophisches Café“. Das gab es bislang dort auch schon, aber mit einem anderen Referententeam.

Nächster Termin: Montag, 13. November 2017, 19:00 – Voranmeldung unter akademie@kinder-philosophieren.de – Eintritt frei!
Weitere Termine: 11.12.2017 | 8.1.2018 | 12.2.2018 | 12.3.2018

Jubiläum und Journalisten

10 Jahre Akademie und schon interessiert sich auch die Presse für uns. Hier kann man nachschauen und -hören:

ARD Mittagsmagazin ab min 31.39; ZDF sonntags ab min 17.05; ARD Nachtmagazin 2707BR Campusmagazin ab min 10:44

Viel Spaß!

 

Von Profidenkern und der Macht der Gesten

Warum? Mit dieser Geste gibt Kinder- und Notfallphilosophin Dr. Doris Daurer, die im Juni im Rahmen unserer Jubiläumsreihe bei uns war, den Kindern eines ihrer „Denkwerkzeuge“ direkt in die Hand: Warum? – die Frage nach dem Grund, die aus einer Meinung im besten Fall ein Argument werden lässt. Den Kindern ermöglicht dieses Denkwerkzeug, die Meinungen der anderen nachzuvollziehen und aufeinander Bezug zu nehmen. In den Runden von Dr. Daurer geschieht das ganz bewusst: Meist schon nach den ersten Aussagen weist sie mit Worten und Gesten darauf hin, wenn etwas noch genauer erklärt werden muss, wenn ein Grund fehlt, wenn geprüft werden muss, woher jemand sein Wissen bezieht usw. Die Kinder lernen schnell, die Gesten zu übernehmen und wenden sie im Gespräch an: Während eines Beitrags können sie mit ihren stummen Gesten zeigen, dass sie etwas noch genauer erklärt bekommen möchten, dass sie gerne ein Beispiel hätten oder ihnen eine Begründung fehlt. Die Denkwerkzeuge sollen aber nicht beim philosophischen Gespräch stehenbleiben, sondern auch im Alltag angewandt werden. Mit kleinen Übungen, die aus dem Alltag der Kinder kommen, erklärt sie den Kindern, wie „Profidenker“ das machen: Ein Kind will seine Brotzeit nicht teilen, die Mama will, dass man ins Bett geht usw. – Wenn Profidenker etwas nicht verstehen, fragen sie zuallererst: Warum? Denn: Es könnte ja sein, dass der Mitschüler, die Mama einen guten Grund hat, warum er sein Brot nicht teilen will, warum das Kind ins Bett gehen soll. Gemeinsam mit den Kindern macht sich Dr. Daurer dann auch auf die Suche nach solchen guten Gründen – und nach schlechten. Wobei jedes Kind für sich überlegen kann, ob es einen Grund gut oder schlecht findet, überzeugend oder nicht.

Dr. Doris Daurer hat ihre Methode in intensiver Auseinandersetzung mit der hawai’ianischen Schule des Kinderphilosophierens entwickelt. Dr. Thomas E. Jackson hat, ausgehend von P4C und Matthew Lipman, diese Richtung entwickelt und etabliert. Mittlerweile gibt es auf Hawai’i sogar eine Highschool, die das Philosophieren als grundlegendes Unterrichtsprinzip nutzt. Auch die Denkwerkzeuge bzw. die „Werkzeugkiste für schlaue Denker“ (Good Thinker’s Tool Kit) gehen auf diese hawai’ianische Richtung von Dr. Jackson zurück. In der Werkzeugkiste finden sich folgende Denkwerkzeuge:

W        Was meinst du mit…?
G         Grund
A         Annahme
F          Folgerung
S         Stimmt das?
B         Beispiel
GB      Gegenbeispiel

Außer den Denkwerkzeugen gibt es auch noch andere Methoden der hawai’ianischen Schule: Abkürzungen, die in das Gespräch gerufen werden können wie „NEFI“ (Nächste Frage bitte!) oder die „cultural lenses“, die helfen sollen, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Wer mehr darüber wissen möchte, findet auf www.p4chawaii.org ausführliche Informationen zu diesen Techniken. Ebenso findet man dort einen Link zur Kailua Highschool, der ersten philosophischen High School Amerikas.

Neben dieser methodischen Seite hat uns an Dr. Daurer vor allem aber ihr Zugang zu den Kindern und ihren Fragen beeindruckt. Dieser achtsame und respektvolle Zugang ermöglicht es erst, dass ein „Fröhliches Forschungsteam“ entsteht und die Kinder eben nicht „hinterherdenken“, sondern beginnen, selbst zu denken. Bevor es nämlich um Begründungen, Beispiele und Folgerungen geht, stellt sich Dr. Daurer vor allem eine Frage: „Was brauchen die mir anvertrauten Kinder?“ Beim Philosophieren, so sagt sie, stellt sie sich in den Dienst der Kinder. Dies findet bereits in ihrer Körperhaltung Ausdruck. Dr. Daurer philosophiert nicht auf einem Stuhl sitzend, sondern kniet sich auf den Boden. Sie macht sich sogar noch kleiner und schreibt während des Gespräches mit. Diese Gesten bringen einerseits ganz konkret zum Ausdruck, dass sie sich „in den Dienst der Kinder“ stellt, sie von ihnen lernen kann und das Interesse der Kinder im Vordergrund steht. Andererseits bringt sie durch das Festhalten des Gesagten eine große Wertschätzung für die Gedanken der Kinder zum Ausdruck (weitergegeben werden die Mitschriften nicht!). Und nicht zuletzt nimmt sie sich als Gesprächsleitung, als Erwachsene aus dem Fokus des Gespräches und ermöglicht es den Kinder viel eher untereinander zu sprechen. Diese Achtsamkeit, gerade wenn es um Körperhaltung, um Gesten geht, die während der Fortbildung auch noch an anderen Stellen thematisiert wurde, war beeindruckend zu erleben und etwas, das man gerne mit ins eigene Philosophieren nehmen möchte.

Wer sich für ihren Ansatz interessiert, Dr. Daurer jedoch nicht erleben konnte, kann ihre Erfahrungen, Methoden und ihre Philosophie des Kinderphilosophierens in „Staunen, Zweifeln, Betroffensein – Mit Kindern philosophieren“ nachlesen.

Als nächstes dürfen wir am 10. November Hans-Joachim Müller begrüßen, den letzten Referenten unserer Jubiläumsreihe, der mit zahlreichen Praxisbeispielen und Einstiegsmöglichkeiten für Kita und Schule vor allem für diejenigen interessant ist, die nach neuen Ideen und Anregungen für ihre philosophischen Einheiten suchen.

Wertedialog “Gemeinschaft”

Die Akademie Kinder philosophieren ist Gründungsmitglied des Wertebündnis Bayern und engagiert sich dort seit Jahren für die Wertebildung von Kindern und Jugendlichen. Akademieleiter Christophe Rude ist Mitglied des Sprecherrats .

Wertedialog:BegriffeWerte im Dialog: Philosophieren im Wertebündnis

Die Mitglieder des Wertebündnis wollen sich vertieft mit gesellschaftlichen und kulturellen Werten auseinander setzen. Gemeinsam mit dem Sprecherrat und der Stiftung Wertebündnis haben wir deshalb die Veranstaltungsreihe “Werte im Dialog” entwickelt, eine Reihe philosophischer Abendgespräche mit Themen wie Vielfalt, Zufriedenheit, Heimat, Kreativität oder – aktuell – der Wert der Gemeinschaft.

Aktueller Wertedialog zum Thema Gemeinschaft

Gastgeber für die Wertedialoge sind verschiedene Wertebündnispartner, die jeweils für die Rahmengestaltung des Abends sorgen. Zuletzt waren wir zu Gast in der Haeusler-Villa der Kester-Haeusler-Stiftung in Fürstenfeldbruck. Das Thema lautete “Gemeinschaft – gefühlter oder gelebter Wert?”. Aus dem Einstiegsspiel entwickelten die Teilnehmer ihre philosophischen Fragen, ihre Wahl fiel schließlich auf die Leitfrage: “Muss ich mich einem Regelwerk unterordnen?”. Neben der philosophischen Auseinandersetzung mit Wertebegriffen dienen diese Abende auch dem Austausch und der Vernetzung der Partner, die übrigens Freunde oder Interessierte mitbringen können.

 

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