Tag der offenen Drehtür: Schön war’s!

Wir sind uns einig: Das sollten wir öfter machen! Wir haben viele bekannte Gesichter wiedergesehen, neue Menschen kennengelernt und gute Gespräche geführt – nicht nur philosophische. Das Philosophieren stand aber natürlich im Mittelpunkt, diesmal in unterschiedlichsten Spielarten. Ganz klassisch wurde beim Workshop für Erwachsene zum Thema “Zeit ist Glück” philosophiert. In einem Zimmer voller Teelichter wird die Geschichte von einer armen, aber weisen alten Frau erzählt, die jeden Tag eine Handvoll Bohnen in ihrer rechten Tasche mit sich herumträgt. Wenn ihr über den Tag etwas Schönes passiert, nimmt sie eine Bohne aus der rechten Tasche und steckt sie in die linke. Am Abend schaut sie, wie viele Bohnen in der linken Tasche gelandet sind und erinnert sich an die schönen Momente. Die Teilnehmer des Gespräches dürfen anschließend aus einer Schüssel ihre “Glücksbohnen” herausnehmen, eine für jeden glücklichen Moment, den sie an diesem Tag erlebt haben. Die Frage, um die es geht: “Ist Glück nur eine Sache der Einstellung?”

 

Das Thema Glück stand auch bei den Kindern im Mittelpunkt, die bei “Bastel’ dir dein Glück” versucht haben, Glück ins Glas zu packen. Hier wurde geschnitten, geklebt und Glitzer verstreut. Aber irgendwie muss man ja auch wissen, was da genau rein soll, in so ein Glas voll Glück. Und deswegen blieben begleitende philosophische Fragen natürlich nicht aus: “Was heißt das eigentlich, glücklich zu sein?” und “Was braucht man zum Glücklichsein? Und was gerade nicht?”. Am Ende wurde für jedes Glas noch ein persönliches Glücksgeheimnis formuliert, das auf der Innenseite hinter dem Etikett versteckt wurde. Welche Geheimnisse das waren, wird aber nicht verraten.

 

Etwas weniger meditativ ging es beim “Speed Dating Philosophie” zu. Große Fragen des Lebens in 4 Minuten beantworten? Kein Problem für die Speed Dater. Die machten sich zu zweit in Gedanken über Fragen wie “Was unterscheidet Liebe zu Menschen von der Liebe zu Dingen?” oder “Wie wäre es wohl, in einer Welt zu leben, in der alle blind wären?”.  Ein Format, das vielleicht das Potential hat, öfter stattzufinden? Schließlich lernt man die Menschen in kurzer Zeit auf einer anderen Ebene kennen, als beim “normalen” Speed Dating. Anschließend gab’s dann aber doch noch mehr Zeit: Im großen Kreis wurde ohne Stoppuhr philosophiert. Das Gespräch drehte sich – wie sollte es anders sein – um das Thema Begegnungen.

                    

Vielen Dank an alle, die da waren – bis hoffentlich zum nächsten Mal!

Und für alle, die noch mehr lesen möchten über den Tag der offenen Drehtür, sei auf den Artikel verwiesen, der letzte Woche in der Sueddeutschen Zeitung erschienen ist.

 

Was macht das Leben REICH?

Die Akademie lädt ein zum Philosophieren im Theater! Vom 1. November bis zum 11. November findet in München das Festival “Politik im Freien Theater” statt, das mit verschiedenen Veranstaltungen dem Thema REICH auf den Grund geht. Zum Abschluss des Festivals lädt die Akademie Kinder philosophieren zu einem philosophischen Gespräch in die Münchner Kammerspiele. Bis zu 60 Personen haben dort Platz und alle können, wenn sie möchten, aktiv am moderierten Gespräch zur Frage “Was macht das Leben reich?” teilnehmen. Ein Dialog der Generationen, Kulturen und Lebenssituationen.


Hier nochmal alle Infos im Überblick:

Philosophisches Gespräch für alle Generationen
11. November, 15 bis 17 Uhr
Münchner Kammerspiele, Kammer 3

Anmeldung bitte unter: anmeldung@politikimfreientheater.de

 

Übrigens: Das REICH Festival bietet auch ein Programm für Schülerinnen und Schüler und Fortbildungen! Die Akademie ist hier vertreten mit der Kennenlern-Fortbildung “Philosophieren mit Kindern”. Wer unseren Ansatz kennenlernen und ein philosophisches Gespräch erleben möchte, ist herzlich eingeladen, uns am 7. November von 16 bis 19 Uhr in der Baierbrunnerstraße 27 zu besuchen. Weitere Infos und Anmeldung unter: prisca.wunderlich@kinder-philosophieren.de

 

Wer noch mehr zu den Veranstaltungen der Akademie und dem Festival wissen möchte, der kann sich hier einen guten Überblick verschaffen: www.politikimfreientheater.de

 

Bildrechte Beitragsbild: Amelie Lichtenberg

Nur heiße Luft? – Wie frage ich richtig nach

Zweifeln, argumentieren, mit Gedanken spielen: Die Geschichte der Philosophie ist voll von Methoden des Denkens: Wie begründe ich stichhaltig, wie wechsele ich die Perspektive oder denke um die Ecke? Allerdings hat jede Schule, nahezu jeder Philosoph seinen eigenen Weg, um zu Erkenntnis zu gelangen. Es ist daher oft schwierig, solche beschrittenen Wege für ein Gespräch fruchtbar zu machen, zumal ein Gespräch ja seine ganz eigene Dynamik bereit hält. Ein paar solcher Methoden und Klassiker der Philosophie zu bestimmten Themen, die schöne Denkanregungen für philosophische Gespräche darstellen, wollen wir euch hier jedoch vorstellen. Ausführlich werden diese und andere Methoden im Aufbaumodul “Vertiefendes Weiterfragen” behandelt:

  1. Die Perspektive wechseln
    Es ist im philosophischen Gespräch von Vorteil, möglichst viele verschiedene Perspektiven einzubeziehen. Wenn sich das jedoch nicht aus dem Gespräch selbst ergibt, können Fragen hilfreich sein, die auf andere Vorstellungen, Kulturen, Zeiten abzielen und so zumindest einen gedachten Perspektivwechsel erlauben, z.B.: Gilt das für jeden Menschen? Ist das überall auf der Welt so? War das immer so, zu jeder Zeit?
    Auch andere oder gänzlich unbekannte Perspektiven können eingenommen werden: Wie würde das ein Kind, ein Höhlenmensch, ein Fisch, eine Pflanze, ein Alien etc. sehen/wahrnehmen?
    Bei moralischen Fragen, bei Streitfragen kann man die Teilnehmer bspw. aber auch auffordern, Argumente für die Gegenseite zu finden.
  2. Gedankenexperimente
    Sehr beliebt, um den Blick für andere Möglichkeiten zu öffnen, sind in der Philosophie (und nicht nur dort) Gedankenexperimente. Ihr Grundmuster kann auf die Formel “Was wäre, wenn…?” gebracht werden. Eine einfache und gerade für Gespräche wirkungsvolle Form des Gedankenexperiments ist die “Fiktive Nichtung”, also bspw. “Was wäre, wenn es keine Freundschaft gäbe?”, “Was wäre, wenn niemand mehr die Wahrheit sagen würde?”
    Es gibt aber natürlich auch komplexere Gedankenexperimente. Eines der wohl bekanntesten ist Robert Nozicks „Glücksmaschine“, das der Frage nachgeht, ob das ewiges Glücklichsein der höchste erstrebenswerte Zustand ist:
    Stellen wir uns vor, geniale Neuropsychologen hätten eine „Glücksmaschine“ konstruiert, die ihrem Benutzer jede Erfahrung ermöglicht, die er zu machen wünscht. Wenn wir wollen, könnten wir uns für den Rest unseres Lebens an diese Maschine anschließen lassen. Wir würden nicht wissen, dass wir an eine Maschine angeschlossen sind, sondern alles wäre so, als geschehe das, was wir von nun an erleben, wirklich. Wir würden subjektiv keinen Unterschied merken, wären aber davor geschützt, Dinge zu erleben, die wir lieber nicht erleben möchten. Unsere Liebesbeziehungen wären allesamt glücklich, wir würden alles erreichen, was wir uns vornehmen, und hätten alles, was wir uns nur wünschen. Wir könnten also, was unsere subjektive Wahrnehmung angeht, jedes Leben führen, das wir wollten. Würden wir dann auch nur eine Sekunde zögern, diese einmalige Gelegenheit zu ergreifen, uns unser Glück auf Lebenszeit zu sichern? Würden wir sie vielleicht sogar ablehnen?
  3. Argumentieren
    Beim Argumentieren geht es oft um das Herausfinden von Schwächen eines Argumentes, um sich nicht in Fehlschlüsse zu verstricken, aus denen heraus dann die weiteren Schlussfolgerungen gezogen werden. Zunächst einmal muss jedoch geklärt werden, was überhaupt ein Argument ist. Im Alltag geht es häufig um bloße Meinungen, Sichtweisen, die man vertritt bzw. verneint, ohne dafür einen wirklichen Grund zu nennen. Im philosophischen Gespräch werden die Meinungen schon eher begründet oder zumindest achtet die Gesprächsleitung darauf und fragt: „Warum denkst du, dass das so ist?“Ein Klassiker aus der Philosophie zu diesem Thema:
    Sokrates ist sterblich 
    also: Sokrates ist ein Mensch.Auch wenn es so aussieht – um ein Argument im klassischen Sinn handelt es sich dabei noch nicht. Warum? Wir können nicht von einem Satz auf den anderen schließen, ebenso wenig wie man von einer Zahl (2) auf eine andere (5) schließen kann. Man braucht also mindestens zwei Sätze (in der Logik Prämissen), von denen man auf etwas drittes schließt (oder um bei den Zahlen zu bleiben: 2 + 3 = 5). Beim Beispiel mit Sokrates würde das dann so aussehen:Sokrates ist ein Mensch (Prämisse 1)
    Alle Menschen sind sterblich (Prämisse 2)
    also: Sokrates sterblich (Konklusion)

    Nun mag das im ersten Moment etwas spitzfindig klingen, denn natürlich wissen wir, dass alle Menschen sterblich sind, das muss man eigentlich nicht erst deutlich machen. In vielen anderen Argumenten macht aber gerade diese Suche nach der „stillen Voraussetzung“ Sinn und hilft, Streitfragen zu klären oder einer Antwort näher zu kommen. Nehmen wir also als Beispiel die Streitfrage: Ich bin der Meinung, dass in staatlichen Institutionen keine Kreuze hängen dürfen und begründe dies so: Das Aufhängen eines Kreuzes verwischt die Grenze zwischen Staat und Religion. Was setze ich jedoch voraus, um die Schlussfolgerung: „Es sollten keine Kreuze in staatlichen Institutionen hängen“ ziehen zu können? Was ist also meine zweite Prämisse? Was denken Sie?
    Im philosophischen Gespräch kann man solche stillen Annahmen erfragen, indem man bspw. bei einer Begründung nochmal nachhakt: “Und warum denkst du, dass das so ist?“ oder auch „Auf welchen Annahmen beruht deine Begründung?“.

Übrigens: Wer Lust an der Provokation als Methode hat, der hat sicherlich auch Freude an dem immer wieder polarisierenden Philosophen Slavoj Žižek.

Diese und weitere Methoden und ihre Anwendung im Gespräch werden am 26. und 27. Oktober im Aufbaumodul “Vertiefendes Weiterfragen” behandelt. Alle Infos dazu findet ihr hier.

Die neuen Aufbaumodule der Akademie Kinder philosophieren

Am 27. und 28. Oktober 2018 findet das Aufbaumodul „Vertiefendes Weiterfragen statt und richtet sich an diejenigen, die das Gespräch mit Techniken des Weiterfragens in die Tiefe führen möchten. Diese werden nicht nur gemeinsam erarbeitet, im Mittelpunkt steht vor allem die Anwendung dieser Techniken, damit Sie Sicherheit erhalten bezüglich der Frage: An welcher Stelle kann ich wie vertiefend nachfragen? Außerdem beleuchten wir Klassiker unter den philosophischen Methoden bezüglich verschiedener Themen wie Identität, Glück, Wahrheit.

Kann ich mir wirklich sicher sein, dass sich in diesem Raum kein Nashorn befindet, nur weil ich keines sehe?
Das Aufbaumodul „Wie denken Philosophen“ am 11. und 12. Dezember 2018 behandelt verschiedene klassische Texte der Philosophie, die sich bestimmter Methoden bedienen: Was hat es mit Wittgensteins Nashorn auf sich? Wie sucht Heidegger, wie Platon nach dem Wesen der Dinge – und was können wir daraus für unsere eigene Moderation lernen? Was bedeutet “Hinterfragen” am Beispiel des Descartes’schen Zweifels? Mit einigen Denkarten werden wir uns anhand der Originaltexte näher beschäftigen. Andere werden vorstellen, um die grundlegende Methodik und ihre Anwendungsmöglichkeiten im philosophischen Gespräch zu besprechen. Dabei spielen auch ganz konkrete Beispiele des philosophischen Denkens und Hinterfragens eine Rolle, die auch im philosophischen Gespräch Anwendung finden können.

Teilnahmevoraussetzung: Zusatzausbildung der Akademie Kinder philosophieren
oder mehrjährige Praxiserfahrung im Philosophieren mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen
Kosten: 210 Euro
Veranstaltungsort: Akademie Kinder Philosophieren in München
Information und Anmeldung:  Diana Schick

 

 

 

Neue Förderung für Lehrer in Baden-Württemberg

Auch 2018 können sich Schulen und Lehrkräfte in Baden-Württemberg wieder um eine Förderung bewerben: Unter den Blickpunkten Wertebildung, Persönlichkeitsentwicklung, Orientierungswissen für ein gelingendes Leben fördert die Karl Schlecht Stiftung seit 2015 das Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen. Lehrerinnen und Lehrer aller Schularten, die in Baden-Württemberg tätig sind, können sich dabei kostenfrei in philosophischer Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen ausbilden lassen.

„Wir wollen Kinder und Jugendliche frühzeitig an kritisches Denken heranführen und ihr Urteilsvermögen schärfen“, so Stiftungsreferent Frank Henssler. Das Orientierungswissen, das das Philosophieren bietet, “ist ein wesentlicher Aspekt der Persönlichkeitsbildung.“

Für diese Angebote können sich Schulen und Lehrkräfte ab sofort bewerben:

  • dreistündiger Kennenlernworkshop “Kinder philosophieren” oder “Philosophieren in der Lebens- und Berufsorientierung” für Lehrerkollegien
  • Zusatzausbildung “Philosophische Gesprächsführung mit Kindern und Jugendlichen”
  • Schülerworkshops “Philosophieren in der Lebens- und Berufsorientierung”
  • dreitägige Qualifizierung für Lehrkräfte “Philosophieren in der Lebens- und Berufsorientierung”

Neu ist in diesem Jahr außerdem, dass wir eine philosophierende Schule ins Leben rufen möchten, die das Philosophieren in den Unterricht integriert und in ihr Leitbild aufnimmt. Es gibt ein sehr vielversprechendes Beispiel dazu auf Hawai’i. Wir werden mit verschiedenen Praktikern und Experten aus diesem Bereich zusammenarbeiten, um eine solche Modellschule Wirklichkeit werden zu lassen. Wir suchen: Eine Grundschule und eine weiterführende Schule, die neue Wege des Lernens und Unterrichtens gehen möchten.

Alle Informationen zu den Angeboten und zur Bewerbung findet ihr hier.

 

“Denke, was du noch nicht weißt…

…und befreie Dich von dem was du weißt!”

Dieses Zitat stammt nicht von Sokrates, sondern von Miles Davis. Und es bezieht sich auch nicht auf das Philosophieren, sondern auf die Improvisation beim Jazz. Improvisation kann übersetzt werden mit “etwas, was du vorher noch nicht gesehen hast”. Was wir und die Teilnehmer der Jahrestagung am 25. November vorher vielleicht noch nicht gesehen hatten, ist, dass das Philosophieren im Grunde genommen ein Improvisieren ist.

Dieses Jahr haben wir uns in Leutkirch im Allgäu getroffen und Möglichkeiten und Effekte des Philosophierens kennengelernt. Und da das Philosophieren eben immer auch Improvisation ist, ging es beim Vortrag von Karin Fasseing Heim insbesondere darum, wie man Inspirationen und Lernumgebungen zu schafft, die das freie Denken und das Hinterfragen ermöglichen. Frau Fasseing Heim leitet den Studiengang Vorschulstufe an der Pädagogischen Hochschule Thurgau in Kreuzlingen (Schweiz) und schöpft dabei aus einer langjährigen Praxiserfahrung. Während ihrer Arbeit an der Hochschule hat sie erkannt, dass das Philosophieren über pädagogische Themen die Möglichkeit bietet, neue Antworten und Ideen für die eigene pädagogische Arbeit zu finden.

“Erwachsene fahren gedanklich auf Autobahnen, Kinder gehen eher spazieren”, greift Sinan von Stietencron diesen Gedanken auf, in dessen Workshop es um Lernprozesse ging. Das Philosophieren biete eben auch Erwachsenen die Möglichkeit, die eigenen Autobahnen für einen Moment zu verlassen. Den Kindern komme der spielerische Zugang hingegen sehr entgegen und steigere die Motivation am Lernen. So stellte auch Silvia Simbeck in einer der philosophischen Einheiten der Tagung die Frage, ob das Denken eigentlich ein Spiel sei? Egal, ob wir uns also im Gebiet der Sprachförderung, der Wertebildung oder des Lernens bewegen, in den Workshops unserer Tagung wurde klar, dass ein philosophischer Zugang immer auch einen spielerischer Umgang mit diesen Themen bedeutet.

Einen schönen Abschluss der Tagung bot der Mathematikprofessor und Kabarettist Timm Sigg, der in seinen Texten wiederum mit Zahlen spielt und uns beispielsweise die Schönheit der Zahl 60 näher brachte und uns auf höchst amüsante Weise den Unterschied zwischen logisch und plausibel erklärte.

Vielen Dank an alle, die an dieser Tagung mitgewirkt haben und besonders an die Karl Schlecht Stiftung, die diesen Rahmen erst ermöglicht hat.

Philosophieren als elementare Kulturtechnik

„Die Welt wurde niemals zerstört, verwüstet oder verheert von denjenigen die fragten, sondern von denen, die glaubten die Antworten zu kennen.“ Richard David Precht

Anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Akademie Kinder philosophieren haben wir in 2017 eigens eine Fortbildungsreihe mit namhaften Referenten aus dem Feld der Kinderphilosophie veranstaltet.

Am Freitag den 10.11.2017 fand die Jubiläumsreihe mit Hans Joachim Müller ihren Abschluss. Das Seminar mit dem Titel „Philosophieren mit Kindern als elementare Kulturtechnik in Kita und Schule“  fand in der Katholischen Akademie München statt. Vor der Kulisse des schönen Viereckhofs aus dem 13. Jahrhundert sprach der Referent mit 18 Teilnehmer/innen über die Vorteile, die das Philosophieren für die kognitive, emotionale, kreative aber auch sprachliche und soziale Entwicklung eines Kindes mit sich bringt.

Hans Joachim Müller war selbst lange Zeit Schulleiter einer Grundschule, ist derzeitiger Leiter des Zentrums für Kinderphilosophie in Bad Zwischenhahn und hat Lehraufträge an verschiedenen Universitäten inne. Neben der Methodik und Didaktikd des Philosophierens im Primar- und Elementarbereich konnten die Teilnehmer/innen erfahren, dass es gar keiner großen Anstrengungen bedarf, um mit Kindern zu philosophieren.

Kinder gehen mit offenen Augen durch die Welt und bereits einfache Spielzeuge oder Bilderbücher können ein Einstieg für ein philosophisches Gespräch sein. Entscheidend dabei ist maßgeblich die innere Haltung des Gesprächsleiters  bzw. Erwachsenen zur kindlichen Frage. Die Bereitschaft, die Meinungen der Kinder als gleichwertig zur eigenen zu betrachten und sich von ihren Sichtweisen auch einmal ins Staunen versetzen zu lassen, ist essentiell. Müller verwendet hierfür ein Zitat von Ekkehard Martens: „Staunen bedeutet, für einen Augenblick seine mentale Balance zu verlieren.“

Interaktiv wurde es dank einer ganz eigenen Form des Vortragens von Texten: dem Texttheater. Hier wird eine Geschichte oder ein Text satzweise auf die Teilnehmer/innen aufgeteilt und durch den Leitenden in willkürlicher Reihenfolge zum Vortragen aufgerufen. Die Teilnehmer/innen können dabei in der Betonung variieren. So entstehen völlig neue Interpretationsmöglichkeiten und auch lange oder komplizierte Texte werden eingängig gemacht. Man kann es sich so vorstellen: der Gesprächsleitende teilt einen Text in verschiedene Passagen ein und bestimmt eine Person, die jeweils einen Abschnitt übernimmt. Auf ein bestimmtes Zeichen aktiviert der Gesprächsleiter die Teilnehmenden und so entsteht ein überaus abwechslungsreiches interaktives Textstück.

Themen über die philosophiert wurden, waren „Warum philosophieren?“ – Das Beispiel Stein, „Kenne ich die Welt?“ – Philosophieren über den Weltbegriff und  „Warum ist der Wolf böse?“ – Philosophieren über das Gute und das Böse anhand eines Bilderbuchs. Wir danken Hans Joachim Müller und hoffen, dass der Tag ein Auftakt für viele weitere gemeinsame Veranstaltungen sein wird!

Über den Referenten: : http://www.philosophieren-mit-kindern.de/mueller.html

https://www.youtube.com/watch?v=jmunMFozpK8

 

Die große Transformation und Wall E…

…der letzte räumt die Erde auf: Ein Tag, der Inspiration und viele Ideen brachte, war das Netzwerktreffen “Junge Vor!Denker” im Schloss Mariakirchen bei Arnstorf, das wir gemeinsam mit der Hans Lindner Stiftung organisieren durften. Neue Inputs zum altbekannten Thema der Bildung für nachhaltige Entwicklung gab uns Steffi Kreuzinger, die in ihrem Vortrag verdeutlichte, dass mit Nachhaltigkeit und der “großen Transformation” eigentlich ein völlig neues Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell gedacht werden muss. Eines, das oft gerade im Kleinen beginnt. Wie lernen Kinder ihre Lebenswelt mitzugestalten? Welche nachhaltigen Lebensstile können sie wie kennenlernen? Und was motiviert letztendlich zum Handeln? Viele Projektideen konnten während des gesamten Netzwerktreffens gesammelt werden, vom Philosophieren in der Natur mit “Baumperlen” über Selbstangebautes und Kochen mit Kindern bis hin zur ganz grundlegenden Frage, die das Philosophieren wie auch die Nachhaltigkeit betrifft: Was ist wichtig im Leben? Die Besinnung auf Wesentliches, auf das, was wirklich glücklich macht, ist letztlich eine Frage, die einem Umdenken vorausgehen muss. Und die uns auch eines bewusst macht: Die hoffnungsvolle Vision einer “großen Transformation” hin zu einer nachhaltig lebenden Gesellschaft wird ohne Verzicht wohl nicht gehen. Ein Verzicht, der auf der anderen Seite aber wiederum einen immensen Reichtum bergen kann.

Ein Filmtipp zum Schluss, der uns auf während des Treffens auf die Frage brachte: Welche Bedeutung hat die Natur für den Menschen? “Wall E – Der letzte räumt die Erde auf” ist ein liebevoll gestalteter Animationsfilm um einen kleinen Roboter, der im ganzen Müll der Erde auf einmal ein kleines Pflänzchen entdeckt, dass er wie ein kleines Wunder hütet und mit dem zusammen er sich auf eine große Reise begibt.

Jubiläum und Journalisten

10 Jahre Akademie und schon interessiert sich auch die Presse für uns. Hier kann man nachschauen und -hören:

ARD Mittagsmagazin ab min 31.39; ZDF sonntags ab min 17.05; ARD Nachtmagazin 2707BR Campusmagazin ab min 10:44

Viel Spaß!

 

Von Profidenkern und der Macht der Gesten

Warum? Mit dieser Geste gibt Kinder- und Notfallphilosophin Dr. Doris Daurer, die im Juni im Rahmen unserer Jubiläumsreihe bei uns war, den Kindern eines ihrer „Denkwerkzeuge“ direkt in die Hand: Warum? – die Frage nach dem Grund, die aus einer Meinung im besten Fall ein Argument werden lässt. Den Kindern ermöglicht dieses Denkwerkzeug, die Meinungen der anderen nachzuvollziehen und aufeinander Bezug zu nehmen. In den Runden von Dr. Daurer geschieht das ganz bewusst: Meist schon nach den ersten Aussagen weist sie mit Worten und Gesten darauf hin, wenn etwas noch genauer erklärt werden muss, wenn ein Grund fehlt, wenn geprüft werden muss, woher jemand sein Wissen bezieht usw. Die Kinder lernen schnell, die Gesten zu übernehmen und wenden sie im Gespräch an: Während eines Beitrags können sie mit ihren stummen Gesten zeigen, dass sie etwas noch genauer erklärt bekommen möchten, dass sie gerne ein Beispiel hätten oder ihnen eine Begründung fehlt. Die Denkwerkzeuge sollen aber nicht beim philosophischen Gespräch stehenbleiben, sondern auch im Alltag angewandt werden. Mit kleinen Übungen, die aus dem Alltag der Kinder kommen, erklärt sie den Kindern, wie „Profidenker“ das machen: Ein Kind will seine Brotzeit nicht teilen, die Mama will, dass man ins Bett geht usw. – Wenn Profidenker etwas nicht verstehen, fragen sie zuallererst: Warum? Denn: Es könnte ja sein, dass der Mitschüler, die Mama einen guten Grund hat, warum er sein Brot nicht teilen will, warum das Kind ins Bett gehen soll. Gemeinsam mit den Kindern macht sich Dr. Daurer dann auch auf die Suche nach solchen guten Gründen – und nach schlechten. Wobei jedes Kind für sich überlegen kann, ob es einen Grund gut oder schlecht findet, überzeugend oder nicht.

Dr. Doris Daurer hat ihre Methode in intensiver Auseinandersetzung mit der hawai’ianischen Schule des Kinderphilosophierens entwickelt. Dr. Thomas E. Jackson hat, ausgehend von P4C und Matthew Lipman, diese Richtung entwickelt und etabliert. Mittlerweile gibt es auf Hawai’i sogar eine Highschool, die das Philosophieren als grundlegendes Unterrichtsprinzip nutzt. Auch die Denkwerkzeuge bzw. die „Werkzeugkiste für schlaue Denker“ (Good Thinker’s Tool Kit) gehen auf diese hawai’ianische Richtung von Dr. Jackson zurück. In der Werkzeugkiste finden sich folgende Denkwerkzeuge:

W        Was meinst du mit…?
G         Grund
A         Annahme
F          Folgerung
S         Stimmt das?
B         Beispiel
GB      Gegenbeispiel

Außer den Denkwerkzeugen gibt es auch noch andere Methoden der hawai’ianischen Schule: Abkürzungen, die in das Gespräch gerufen werden können wie „NEFI“ (Nächste Frage bitte!) oder die „cultural lenses“, die helfen sollen, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Wer mehr darüber wissen möchte, findet auf www.p4chawaii.org ausführliche Informationen zu diesen Techniken. Ebenso findet man dort einen Link zur Kailua Highschool, der ersten philosophischen High School Amerikas.

Neben dieser methodischen Seite hat uns an Dr. Daurer vor allem aber ihr Zugang zu den Kindern und ihren Fragen beeindruckt. Dieser achtsame und respektvolle Zugang ermöglicht es erst, dass ein „Fröhliches Forschungsteam“ entsteht und die Kinder eben nicht „hinterherdenken“, sondern beginnen, selbst zu denken. Bevor es nämlich um Begründungen, Beispiele und Folgerungen geht, stellt sich Dr. Daurer vor allem eine Frage: „Was brauchen die mir anvertrauten Kinder?“ Beim Philosophieren, so sagt sie, stellt sie sich in den Dienst der Kinder. Dies findet bereits in ihrer Körperhaltung Ausdruck. Dr. Daurer philosophiert nicht auf einem Stuhl sitzend, sondern kniet sich auf den Boden. Sie macht sich sogar noch kleiner und schreibt während des Gespräches mit. Diese Gesten bringen einerseits ganz konkret zum Ausdruck, dass sie sich „in den Dienst der Kinder“ stellt, sie von ihnen lernen kann und das Interesse der Kinder im Vordergrund steht. Andererseits bringt sie durch das Festhalten des Gesagten eine große Wertschätzung für die Gedanken der Kinder zum Ausdruck (weitergegeben werden die Mitschriften nicht!). Und nicht zuletzt nimmt sie sich als Gesprächsleitung, als Erwachsene aus dem Fokus des Gespräches und ermöglicht es den Kinder viel eher untereinander zu sprechen. Diese Achtsamkeit, gerade wenn es um Körperhaltung, um Gesten geht, die während der Fortbildung auch noch an anderen Stellen thematisiert wurde, war beeindruckend zu erleben und etwas, das man gerne mit ins eigene Philosophieren nehmen möchte.

Wer sich für ihren Ansatz interessiert, Dr. Daurer jedoch nicht erleben konnte, kann ihre Erfahrungen, Methoden und ihre Philosophie des Kinderphilosophierens in „Staunen, Zweifeln, Betroffensein – Mit Kindern philosophieren“ nachlesen.

Als nächstes dürfen wir am 10. November Hans-Joachim Müller begrüßen, den letzten Referenten unserer Jubiläumsreihe, der mit zahlreichen Praxisbeispielen und Einstiegsmöglichkeiten für Kita und Schule vor allem für diejenigen interessant ist, die nach neuen Ideen und Anregungen für ihre philosophischen Einheiten suchen.