Von Profidenkern und der Macht der Gesten

Warum? Mit dieser Geste gibt Kinder- und Notfallphilosophin Dr. Doris Daurer, die im Juni im Rahmen unserer Jubiläumsreihe bei uns war, den Kindern eines ihrer „Denkwerkzeuge“ direkt in die Hand: Warum? – die Frage nach dem Grund, die aus einer Meinung im besten Fall ein Argument werden lässt. Den Kindern ermöglicht dieses Denkwerkzeug, die Meinungen der anderen nachzuvollziehen und aufeinander Bezug zu nehmen. In den Runden von Dr. Daurer geschieht das ganz bewusst: Meist schon nach den ersten Aussagen weist sie mit Worten und Gesten darauf hin, wenn etwas noch genauer erklärt werden muss, wenn ein Grund fehlt, wenn geprüft werden muss, woher jemand sein Wissen bezieht usw. Die Kinder lernen schnell, die Gesten zu übernehmen und wenden sie im Gespräch an: Während eines Beitrags können sie mit ihren stummen Gesten zeigen, dass sie etwas noch genauer erklärt bekommen möchten, dass sie gerne ein Beispiel hätten oder ihnen eine Begründung fehlt. Die Denkwerkzeuge sollen aber nicht beim philosophischen Gespräch stehenbleiben, sondern auch im Alltag angewandt werden. Mit kleinen Übungen, die aus dem Alltag der Kinder kommen, erklärt sie den Kindern, wie „Profidenker“ das machen: Ein Kind will seine Brotzeit nicht teilen, die Mama will, dass man ins Bett geht usw. – Wenn Profidenker etwas nicht verstehen, fragen sie zuallererst: Warum? Denn: Es könnte ja sein, dass der Mitschüler, die Mama einen guten Grund hat, warum er sein Brot nicht teilen will, warum das Kind ins Bett gehen soll. Gemeinsam mit den Kindern macht sich Dr. Daurer dann auch auf die Suche nach solchen guten Gründen – und nach schlechten. Wobei jedes Kind für sich überlegen kann, ob es einen Grund gut oder schlecht findet, überzeugend oder nicht.

Dr. Doris Daurer hat ihre Methode in intensiver Auseinandersetzung mit der hawai’ianischen Schule des Kinderphilosophierens entwickelt. Dr. Thomas E. Jackson hat, ausgehend von P4C und Matthew Lipman, diese Richtung entwickelt und etabliert. Mittlerweile gibt es auf Hawai’i sogar eine Highschool, die das Philosophieren als grundlegendes Unterrichtsprinzip nutzt. Auch die Denkwerkzeuge bzw. die „Werkzeugkiste für schlaue Denker“ (Good Thinker’s Tool Kit) gehen auf diese hawai’ianische Richtung von Dr. Jackson zurück. In der Werkzeugkiste finden sich folgende Denkwerkzeuge:

W        Was meinst du mit…?
G         Grund
A         Annahme
F          Folgerung
S         Stimmt das?
B         Beispiel
GB      Gegenbeispiel

Außer den Denkwerkzeugen gibt es auch noch andere Methoden der hawai’ianischen Schule: Abkürzungen, die in das Gespräch gerufen werden können wie „NEFI“ (Nächste Frage bitte!) oder die „cultural lenses“, die helfen sollen, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Wer mehr darüber wissen möchte, findet auf www.p4chawaii.org ausführliche Informationen zu diesen Techniken. Ebenso findet man dort einen Link zur Kailua Highschool, der ersten philosophischen High School Amerikas.

Neben dieser methodischen Seite hat uns an Dr. Daurer vor allem aber ihr Zugang zu den Kindern und ihren Fragen beeindruckt. Dieser achtsame und respektvolle Zugang ermöglicht es erst, dass ein „Fröhliches Forschungsteam“ entsteht und die Kinder eben nicht „hinterherdenken“, sondern beginnen, selbst zu denken. Bevor es nämlich um Begründungen, Beispiele und Folgerungen geht, stellt sich Dr. Daurer vor allem eine Frage: „Was brauchen die mir anvertrauten Kinder?“ Beim Philosophieren, so sagt sie, stellt sie sich in den Dienst der Kinder. Dies findet bereits in ihrer Körperhaltung Ausdruck. Dr. Daurer philosophiert nicht auf einem Stuhl sitzend, sondern kniet sich auf den Boden. Sie macht sich sogar noch kleiner und schreibt während des Gespräches mit. Diese Gesten bringen einerseits ganz konkret zum Ausdruck, dass sie sich „in den Dienst der Kinder“ stellt, sie von ihnen lernen kann und das Interesse der Kinder im Vordergrund steht. Andererseits bringt sie durch das Festhalten des Gesagten eine große Wertschätzung für die Gedanken der Kinder zum Ausdruck (weitergegeben werden die Mitschriften nicht!). Und nicht zuletzt nimmt sie sich als Gesprächsleitung, als Erwachsene aus dem Fokus des Gespräches und ermöglicht es den Kinder viel eher untereinander zu sprechen. Diese Achtsamkeit, gerade wenn es um Körperhaltung, um Gesten geht, die während der Fortbildung auch noch an anderen Stellen thematisiert wurde, war beeindruckend zu erleben und etwas, das man gerne mit ins eigene Philosophieren nehmen möchte.

Wer sich für ihren Ansatz interessiert, Dr. Daurer jedoch nicht erleben konnte, kann ihre Erfahrungen, Methoden und ihre Philosophie des Kinderphilosophierens in „Staunen, Zweifeln, Betroffensein – Mit Kindern philosophieren“ nachlesen.

Als nächstes dürfen wir am 10. November Hans-Joachim Müller begrüßen, den letzten Referenten unserer Jubiläumsreihe, der mit zahlreichen Praxisbeispielen und Einstiegsmöglichkeiten für Kita und Schule vor allem für diejenigen interessant ist, die nach neuen Ideen und Anregungen für ihre philosophischen Einheiten suchen.

“Philosophisches Café” in Forstinning

Die Tradition der Philosophischen Cafés kommt aus Paris. Der Philosoph Marc Sautet rief sie 1992 ins Leben, um die akademische Philosophie ins alltägliche Leben zu holen. Bis 1998 waren aus seiner Einzelinitiative über 250 Philosophische Cafés geworden in denen sich bis zu 200 Personen regelmäßig trafen, um die großen Fragen des Lebens und der Menschheit zu ergründen.Mit einem philosophischen Gespräch zum Thema “Zeit” mit 21 interessierten Gästen hat Akademieleiter Christophe Rude im Juli 2017 das erste “Philosophische Café” seiner Heimatgemeinde Forstinning ins Leben gerufen. Im örtlichen Café Zeitschmiede, deren Inhaber Marcus und Angela Stimmer das Vorhaben von Beginn an begeistert aufgenommen hatten, soll nun einmal im Vierteljahr ein offenes “Philosophisches Café” zu immer wechselnden Themen stattfinden.

Die lokale Ausgabe der Süddeutschen hat darüber berichtet. Den ganzen Bericht gibt es hier auf der SZ-Homepage nachzulesen.

 

 

 

Wertedialog “Gemeinschaft”

Die Akademie Kinder philosophieren ist Gründungsmitglied des Wertebündnis Bayern und engagiert sich dort seit Jahren für die Wertebildung von Kindern und Jugendlichen. Akademieleiter Christophe Rude ist Mitglied des Sprecherrats .

Wertedialog:BegriffeWerte im Dialog: Philosophieren im Wertebündnis

Die Mitglieder des Wertebündnis wollen sich vertieft mit gesellschaftlichen und kulturellen Werten auseinander setzen. Gemeinsam mit dem Sprecherrat und der Stiftung Wertebündnis haben wir deshalb die Veranstaltungsreihe “Werte im Dialog” entwickelt, eine Reihe philosophischer Abendgespräche mit Themen wie Vielfalt, Zufriedenheit, Heimat, Kreativität oder – aktuell – der Wert der Gemeinschaft.

Aktueller Wertedialog zum Thema Gemeinschaft

Gastgeber für die Wertedialoge sind verschiedene Wertebündnispartner, die jeweils für die Rahmengestaltung des Abends sorgen. Zuletzt waren wir zu Gast in der Haeusler-Villa der Kester-Haeusler-Stiftung in Fürstenfeldbruck. Das Thema lautete “Gemeinschaft – gefühlter oder gelebter Wert?”. Aus dem Einstiegsspiel entwickelten die Teilnehmer ihre philosophischen Fragen, ihre Wahl fiel schließlich auf die Leitfrage: “Muss ich mich einem Regelwerk unterordnen?”. Neben der philosophischen Auseinandersetzung mit Wertebegriffen dienen diese Abende auch dem Austausch und der Vernetzung der Partner, die übrigens Freunde oder Interessierte mitbringen können.

 

“Kinder philosophieren” am 21. Mai im ZDF

Vor einigen Wochen erreichte uns in der Akademie eine Anfrage aus der Redaktion der Sendung “Sonntags”, die wöchentlich (sonntags, versteht sich…) am Vormittag ausgestrahlt wird. In der Sendung vom 21. Mai 2017 geht es in verschiedenen Beiträgen um das Thema “Was können Erwachsene von Kindern lernen?”. Bei der Vorbereitung der Sendung ist die Redaktion auf das Thema “Philosophieren mit Kindern” gestoßen und mit der Bitte an uns herangetreten, dem Filmteam eine Grundschule zu vermitteln, wo Kinder regelmäßig philosophieren, um dort mit den Kindern, ihren Eltern und Lehrkräften darüber sprechen zu können, welche Bedeutung das Philosophieren für sie hat und welche Wirkungen sie an den Kindern und für sich wahrnehmen.

Am vergangenen Freitag 12. Mai hat das Filmteam nun die Grundschule Wernfeld (Gemünden am Main) in Unterfranken besucht und dort über drei Stunden gefilmt und interviewt. Über eine Stunde philosophierten Kindern der 1. und 2. Klasse mit unserer Trainerin Gerlinde Krehn und ihrer Lehrerin Kristina Kaniber, bei denen wir uns an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken möchten.

Wir sind gespannt auf den Beitrag, der am 21. Mai 2017 um 9:03 Uhr ausgestrahlt und anschließend hier in der Mediathek des ZDF zu sehen sein wird. Über Rückmeldung dazu würden wir uns freuen…

Neuer Zyklus unserer Trainerausbildung startet 2018!

Philosophieren kann das Leben verändern, oder zumindest die Sicht darauf. Haben Sie Lust, tiefer in das Philosophieren einzusteigen und ihre eigene Begeisterung für die Auseinandersetzung mit philosophischen Lebensfragen mit anderen zu teilen? Die Methodik der Philosophischen Gesprächsführung anderen Pädagogen zu vermitteln, ist Aufgabe unserer Trainerinnen und Trainer. Zum Teil arbeiten sie selbständig und bieten die Schulungen der Grundausbildung an Schulen, Kitas etc. an; zum Teil werden sie von der Akademie Kinder philosophieren beauftragt, offen ausgeschriebene Fortbildungen oder Inhaus-Schulungen durchzuführen.

Die Ausbildung zum zertifizierten Trainer / zur zertifizierten Trainerin dauert etwa zwei Jahre und umfasst knapp 40 Präsenztage. Sie wurde seit dem ersten Zyklus 2010/12 inhaltlich und methodisch immer weiterentwickelt und auf die Bedürfnisse der künftigen Trainer/innen zugeschnitten.

Jedes Seminar findet in einem besonderen Ambiente statt: wir buchen schöne Tagungshäuser an verschiedenen Orten in Bayern, darunter Kloster Banz, Schloss Spindlhof oder Kloster Waldsassen.

Der bislang vierte Ausbildungszyklus startet im Februar 2018 und läuft bis Ende 2019. Die Themenschwerpunkte der Bausteine reichen von den Grundlagen der Erwachsenenbildung und Trainerpraxis über Zugänge zur Philosophie bis hin zur Methodik und Geschichte des Philosophierens mit Kindern…

Die Anmeldefrist dafür läuft ab sofort bis zum 31. Oktober 2017.

Wenn Sie Fragen zur Trainerausbildung haben oder wir Ihnen die Anmeldeunterlagen zuschicken sollen, melden Sie sich bitte per Email bei Christophe Rude oder telefonisch unter 089-44108 522.

Aktion: Workshop Junge Vor!Denker stark vergünstigt

Sie möchten wissen, wie nachhaltiges Handeln in Kita und Schule und Philosophieren zusammengehen? Dann ist der Kennenlernworkshop “Junge Vor!Denker – Philosophieren über Themen der Nachhaltigkeit” das Richtige. Dank der Unterstützung der Eberhard von Kuenheim Stiftung können wir aktuell 10 dieser Workshops stark vergünstigt vergeben – nämlich für 95 statt 350 Euro.

Wie philosophiere ich mit Kindern und Jugendlichen über Nachhaltigkeit? Der Kennenlernworkshop eignet sich für Teams oder eine Gruppe Interessierter (zwischen 8 und 16 Teilnehmern) und richtet sich vor allem an diejenigen, die das Philosophieren kennenlernen möchten oder neue Impulse für ihre Arbeit im Bereich BNE und der Umweltbildung suchen.

Im dreistündigen Workshop erfahren Sie, wie ein philosophisches Gespräch zu Themen der Nachhaltigkeit gelingen kann und worüber man in diesem Bereich überhaupt philosophieren kann. Außerdem können Sie natürlich ganz konkret Fragen für die eigene Umsetzung stellen und sich Tipps aus der Praxis holen. Anmeldungen sind noch bis Ende April möglich, die Termine werden anschließend individuell vereinbart.

Bitte richten Sie Ihre Anfrage an schick.diana@kinder-philosophieren.de

 

Praktikum bei der Akademie Kinder philosophieren – ein Erfahrungsbericht

Ich heiße Tim Nissel, bin 24 Jahre alt und studiere Philosophie im Master an der Universität Bielefeld. Mir gefällt das Philosophiestudium sehr gut und ich würde auch in Zukunft gerne weiterhin mit Philosophie zu haben. Da die Stellen an Unis sehr begrenzt sind und ich mir auch durchaus vorstellen kann, in einer NGO zu arbeiten, wollte ich die Möglichkeit des Praktikums nutzen, um herauszufinden, wie viel Philosophie außerhalb des akademischen Sektors überhaupt möglich ist.

In der Regel gibt es keine Praktika oder Berufe, die speziell für Philosophinnen und Philosophen ausgeschrieben sind, sodass sich die Suche nach einem passenden Praktikumsbetrieb als recht mühsam herausstellte. Nach einiger Recherche stieß ich auf die Homepage der Akademie, las mich in ihre Zielsetzung, das Philosophieren mit Kindern zu verbreiten, ein und bewarb mich.

Am ersten Tag des Praktikums wurde ich sehr herzlich begrüßt, dem Team vorgestellt und erhielt Zeit, mich mit Büchern und Texten in die Arbeit der Akademie Kinder philosophieren und ihr Konzept genauer  einzulesen. Nach einer kurzen Zeit des Einarbeitens bekam ich bereits erste eigene Aufgaben zugeteilt, welche von Rechercheaufgaben über Überarbeitungen von Handouts und Flyern bis hin zum Führen eines Interviews reichten. Recht früh hatte ich auch das Gefühl, dass ich nicht bloß Arbeit machte, um beschäftigt zu sein, sondern das Team wirklich entlasten konnte. Darüber hinaus nahm sich jeder im Team die Zeit, mir seinen eigenen Aufgabenbereich vorzustellen, damit ich einen guten Überblick über die unterschiedlichen Aktivitäten der Akademie erhalte.

Im Rahmen des Praktikums erhielt ich auch die Möglichkeit, als Teilnehmer in einige Lehrerfortbildungen, sowie eine Referentenschulung reinzuschnuppern. Hier haben mir besonders die Module F4 und W3 gefallen, da diese Module viele Möglichkeiten zum Philosophieren boten und darüber hinaus für mich neues methodisches Wissen über die Haltung eines philosophischen Gesprächsleiters vermittelten. Der Besuch der Fortbildungen hatte für mich zweierlei positive Aspekte. Zum einen, wie bereits erwähnt, wurde Wissen transportiert, das ich für meinen weiteren beruflichen Weg durchaus gebrauchen kann und zum anderen konnte ich nun auch sehen und erleben, was hinter der alltäglichen Büroarbeit steht – wofür man sie macht.

Neben dem Arbeiten hatte ich, als Nicht-Bayer, auch Zeit um München und Umgebung zu entdecken. An sonnigen Tagen laden insbesondere die zahlreichen Parks und Grünflächen zum Verweilen ein, doch auch eine Reise in die Alpen bietet sich immer an. Bei schlechtem Wetter lohnt sich der Besuch von Museen, von denen es in München sehr viele gibt.

Alles in allem hatte ich eine sehr schöne Zeit bei der Akademie, die rückblickend betrachtet viel zu schnell vorbei ging.

Tim Nissel

Kinder philosophieren auf den Bildungstagen

Am 4. und 5. Februar 2017 war die Akademie Kinder philosophieren auf der Messe „Bildungstage München“ vertreten. Neben der Akademie waren verschiedenste Institutionen vor Ort: Vorschulen, Internate, Bildungsträger, Lerncoaches und Nachhilfeinstitute standen den Interessenten Rede und Antwort.

Die Messe richtete sich an Schülerinnen und Schüler, Eltern, pädagogische Fachkräfte sowie sonstig Interessierte der Bildungslandschaft und bot einen Überblick über die Vielfalt des Angebots in München und Umland. Eine der zentralen Fragen der Bildungstage war „Wie könnte die Schule ein besserer Ort des Lernens werden?“ Aber auch die Fragen der Schülerinnen und Schüler „Wie kann ich mich in der Schule verbessern?“, „Wie entwickle ich bestimmte Fähigkeiten, die mir später im Berufsleben helfen?“ oder „Wie geh ich mit dem gestiegenen Lernpensum um?“ wurden thematisiert. Darüber hinaus konnten sich Eltern informieren, welche Schule für ihr Kind wohl die richtige sei und wie sie ihr Kind am besten fördern können.

An unserem Stand hatten Kinder und Jugendliche (natürlich) die Möglichkeit philosophische Fragen zu stellen. Eine kleine Auswahl davon möchten wir kurz darstellen und damit gleichzeitig zum Weiterdenken anregen:

Pirmin, 11 Jahre fragt: „Wann ist etwas Kunst?“ – Nach welchem Maßstab oder Kriterien können wir beurteilen, ob ein Bild bloß ein Bild oder Kunst ist? Ist vielleicht sogar jedes Bild Kunst? – „Braucht jeder eine Mutter?“ fragte Sara, 8 Jahre: Jeder von uns hat oder wenigstens hatte eine Mutter, doch welche Rolle übernimmt sie nach unserer Geburt? Ist sie vielleicht sogar ersetzbar? Kann man auch mehrere Mütter haben? – Weiter geht es mit Felix, 5 Jahre: “Wie sehen echte Vögel aus?“ – Welche Eigenschaften muss ein Tier haben, damit es ein echter Vogel ist? Was sind eigentlich unechte Vögel? – „Was ist besonders an Menschen?“ lautet Saras zweite Frage: Was unterschiedet uns Menschen von Tieren? Was ist an uns besonders, also was macht einen Menschen zum Menschen?

Am Ende des ersten Messetages fand eine Abendveranstaltung mit interessierten Eltern, Pädagogen und Schülern statt, deren Ziel es war, auf Grundlage von 5 Leitmotiven in einem „Münchner Manifest“ rund 20 zukunftweisende Thesen zum Thema „Lernen im 21. Jahrhundert“ zu formulieren.

Nach einem Podiumsgespräch, in dem SprecherInnen aus Schule und Wirtschaft, u.a. Thomas Sattelberger (ehemaliger Vorstand Deutsche Telekom, Continental AG und Lufthansa Passage) bzw. Margret Rasfeld (Gründungsdirektorin der preisgekrönten Evangelischen Schule Berlin Zentrum) ihre Leitmotive vorstellten, erörterten die SprecherInnen mit den Veranstaltungsteilnehmern in 5 Arbeitsgruppen die Leitmotive und gingen dabei u.a. von folgenden Impulsen aus:  „Welche Lernformen braucht die Zukunft?“, „Wie lassen sich die Erkenntnisse der Wissenschaften in gute und fördernde Lernbedingungen umsetzen?“ oder „Wie können Kinder zu kreativ denkenden jungen Menschen heranwachsen?“.

Bei den Workshops wurden die SprecherInnen von langjährigen und erfahrenen ReferentInnen der Akademie Kinder philosophieren, und zwar Ute Mangold, Dorothea Bigos, Margrit Horsche, Julia Blum und Benjamin Schröer, erfolgreich unterstützt. Wir bedanken uns ganz an dieser Stelle nochmal herzlich für Eure Mitwirkung! Im anschließenden Plenum wurden die Workshopergebnisse ausführlich diskutiert. Eine Verabschiedung des geplanten Manifests war an diesem Abend aufgrund der Vielzahl der Beiträge noch nicht möglich, soll jedoch nach Überarbeitung der Ergebnisse durch die Initiatioren des Manifestes erfolgen.

Wenn Unternehmensberater philosophieren…

… kann es passieren, dass aus ein paar Gesprächsrunden eine richtige Partnerschaft wächst. So geschehen in München 2012: Obwohl Zeit ein kostbares Gut im Unternehmen ist, setzen sich Vorstand und Mitarbeiter zusammen, um sich Gedanken über Verantwortung zu machen – und um zu sehen, ob der philosophische Ansatz zur Unternehmenskultur passt. Er passt und die 4C GROUP, die sich Werte eben nicht nur in den Namen geschrieben hat, lässt ihre jungen Beraterinnen und Berater schulen. Philosophische Gesprächsführung, logisches Denken, Argumentation und nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit Werten und Fragen, die das eigene Leben betreffen, stehen auf dem Programm.

Workshop_51               Fiz_Strolche-30

Sie möchten das Philosophieren in Ihre Einrichtung bringen?
Bewerben Sie sich jetzt

Was für das eigene Unternehmen als wertvoll erkannt wurde, soll schließlich auch Kindern zugute kommen: Sie sollen Zeit, Inspiration und Raum erhalten, ihre Gedanken fliegen zu lassen und ihre eigene Identität zu entwickeln. Über die hauseigene 4C FOOTSTEPS Stiftung werden daher seit 2013 Kindertagesstätten darin unterstützt, philosophische Gespräche in ihre Einrichtung zu bringen. Die Stiftung finanziert den Einrichtungen – zunächst in München, dann auch in Berlin und Frankfurt – eine komplette Zusatzausbildung „Philosophische Gesprächsführung mit Kindern“ für alle Mitarbeiter. Außerdem können die Einrichtungen bei der Umsetzung auch auf das persönliche Engagement der Mitarbeiter der 4C Group zählen, wo dieses gefragt ist. Über 60 Erzieherinnen und Erzieher in München, Frankfurt und Berlin haben die Ausbildung seitdem abgeschlossen. Zwei neue Reihen in Frankfurt und Berlin sind bereits angelaufen.

In München haben Einrichtungen noch die Chance sich zu bewerben. Alle Infos zur Bewerbung als Projektstandort finden Sie hier.

 

 

Na sowas! Wundern und Staunen im Seminar mit Frau Calvert

Kann “Hubert” auch philosophieren? Natürlich schon – und: natürlich nicht! Hubert ist Kristina Calverts Kuscheltier, ein schlaksiger Pudel, der die Kinder zum Philosophieren einlädt. In der Phantasie philosophiert er mit, insofern: ja, er kann. Andererseits gibt es seitens der Kinder durchaus Bedenken: “Neeeiiiin! Der is doch ein Kuscheltier!” Vielleicht würde Calvert dann nachhaken, um heraus zu finden, warum ein Kuscheltier nicht denken kann. Sie folgt einem inneren Mantra des Staunens – “Na sowas?” -, um Kinder wie von selbst ins Philosophieren zu bringen. Ist Hubert weise? Kann er nicht weise sein? Kennst du denn jemanden, von dem man sagen kann, er ist “weise”? – Yoda! Gandalf. Der Opa, glaub ich. Meine Mama, die weiß, wie man Flecken aus dem T-Shirt rausmacht.

Dr. phil. Kristina Calvert, die uns letzte Woche in München besucht und ein zweitägiges Seminar gehalten hat, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie Kinder im Unterricht ihre Selbstkompetenzen herausfordern und üben und wie Pädagogen ihren Teil dazu tun können. Wie können wir den Raum öffnen für kreatives Denken und forschendes Lernen, dem Schlüssel zur Deutungskompetenz? Logisch begründen, argumentativ analysieren, de- und rekonstruieren von (althergebrachtem) Wissen – das sind die Methoden, die uns ermächtigen, zu konstruieren. Pädagogen müssen, so Calverts These, das Zeug dazu haben, zu unterrichten für eine Welt, die es nicht gibt. Diese Welt ist die Zukunft, in der die Kinder als Erwachsene leben und handeln müssen. “Mein Ziel ist, dass die Kinder zum Konstruieren kommen. Ich begleite sie dabei.” Voraussetzung dafür: Ich muss scheinbar Selbstverständliches, also die mir präsentierten Vorstellung von Welt, hinterfragen.

Das Phänomen, dass Kinder ab einem gewissen Alter kaum noch Fragen stellen und hauptsächlich reproduzieren, was erwartet wird, breitet sich umso schneller aus, je schneller Antworten, ungeprüft, gegeben werden. Der Weg in die Welt der Kinder führt aber durch ihre Fragen an die Welt. Kinder sollen wieder Fragen stellen können, so Calvert. Sie brauchen einen Raum, in dem sie das “geschmeidige Denken” üben, ohne den roten Faden zu verlieren. Sie versuchen beim Philosophieren, ihre Ideen in Form bringen, sie auszudrücken, um ihre verschiedenen Vorstellungen von Wirklichkeit mit anderen teilen und diskutieren zu können.

Kristina Calvert versteht Philosophieren auch als Reinigungsprozess: man kann das Wissen, das man erwirbt, hat oder ansammelt, ins Gespräch (die Produktion von Zukunft) einfließen lassen. Ich kann es loslassen, indem ich es formuliere und anderen vorstellbar mache – das schafft Platz für Neues und hilft, Wesentliches zu verinnerlichen. Denn: “Die Welt ist offen für die Deutung!” Na sowas! Das ist die philosophische Haltung: staunen, hinterfragen, sich wundern, was da kommt. Alle Schubladen schließen, die automatisch aufgehen, sobald eins eine Aussage wagt, z.B. auch die: “Wer dumme Frage stellt, na klar, der wird auch dumme Antworten geben.” Das ist die Herausforderung für alle Unterrichtenden.

Philosophieren als Methodik, den Schülern den Spaß am Lernen wieder zu geben. Ob da ein Hubert mithilft, ob man Logik-Spiele einsetzt, künstlerisch mit den Kindern arbeitet oder gemeinsam Wörter zerlegt, um zu neuen Assoziationen zu kommen – immer geht es darum, Lust am Konstruieren von Welt und Wirklichkeit zu bekommen. Nur über den Sinn werden wir zum verantwortungsbewussten Handeln kommen.

Zur Dokumentation einer philosophischen Einheit mit Kristina Calvert geht es hier.