Ausflug auf den Gedankenspielplatz

Hin und her und her und hin. Ich sitze auf der Schaukel mit geschlossenen Augen, genieße die Sonne in meinem Gesicht und spüre den Flugwind in meinen Haaren. Schaukeln war im Kindergarten meine Lieblingsbeschäftigung. Aber kann es sein, dass Schaukeln und Spielplätze etwas mit Philosophie zu tun haben? Auf den ersten Blick stellt das gemeinsame Nachdenken einen starken Kontrast zu den Abenteuern dar, die man auf dem Spielplatz erleben kann. Was aber, wenn die Schaukel zum Sinnbild für eine Meinung wird oder eine Wippe die unterschiedliche Gewichtigkeit von Argumenten symbolisiert?

Indem man durch die Spielgeräte an die Lebenswelt der Kinder anknüpft, erlernen diese auf spielerische Weise die grundlegenden Kompetenzen des Philosophierens. Die Erfinderin des Gedankenspielplatzes, Laura Kerslake, hat neben der Schaukel und der Wippe drei weitere Elemente eines Spielplatzes zu philosophischen Instrumenten gemacht. Die Überwindung, die es braucht sich in die Ungewissheit der Rutsche zu stürzen, steht für den Mut, den es braucht, um seine Gedanken vor einer großen Gruppe auszusprechen. Das Klettergerüst, auf dem man Schritt für Schritt weiter gelangt, zeigt den Kindern, dass es wichtig ist einander zuzuhören und die Ideen Anderer miteinzubeziehen. Und wie man von einem Ausguck den Trubel des ganzen Spielplatzes überblicken kann, so können sich die Kinder auch über einen philosophischen Dialog einen Überblick verschaffen, indem sie sich zurücknehmen und den Argumenten der anderen folgen.

Diesen Gedanken-Spielplatz hat uns Laura Kerslake, die derzeit an der University of Camebridge promoviert, gestern Abend vorgestellt. Sie entwickelte diese Idee, um Kindern den Einstieg in die Philosophie zu erleichtern. Die verschiedenen Instrumente werden den Kindern über zehn Wochen hinweg vorgestellt und eingeübt. So gelingt es mit Grundschülern über zunehmend komplexere Probleme zu philosophieren. Von anfangs leichten Fragen wie „Ist es besser eine Person sehr glücklich zu machen oder 10 Leute ein bisschen glücklich zu machen?“ kann man sich bis hin zum Trolley-Dilemma weiterarbeiten.

Nach der Beantwortung einiger Fragen und einer kurzen Stärkung am Buffet, durften wir schließlich selbst das Philosophieren auf dem Gedanken-Spielplatz ausprobieren. Wir wurden mit der Frage: „Gibt es eine Regel auf die sich ALLE Menschen einigen könnten?“ auf die Schaukel geschickt. Diejenigen, die die Frage mit nein beantworten würden, sollten auf die rechte Seite gehen, die Ja-Antwortenden gruppierten sich auf der linken Seite und die Unentschlossenen blieben in der Mitte stehen. Anschließend tauschten wir, moderiert von Laura Kerslake, unsere Gedanken aus. Dabei zog sie immer wieder Vergleiche zu den Kindern und erzählte von ihren Erfahrungen. So würden manche Kinder, während wir stur auf unseren Seiten stehen blieben, bei beinahe jedem neuen Argument die Seite wechseln. Zudem würden sie nicht wie wir mit abstrakten Argumenten reagieren, sondern mit konkreten Regeln, wie beispielsweise „Jeder muss lieb zu Fröschen sein“.

Laura Kerslake erzählte uns auch, wie sehr es sie freut, dass die Kinder ihrer Schule in Zeiten, in denen sie sich selbst beschäftigen dürfen, oft entscheiden, auf den Gedanken-Spielplatz zu gehen, statt anderen Aktivitäten nachzugehen.

Vielen Dank an unsere Praktikantin Theresa Kern für diesen Beitrag!

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